| Lk 1, 26-38; Mt 1,18-25: Verkündigungsengel |
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| Geschrieben von: Kathrin Frowein |
| Freitag, den 02. Dezember 2011 um 14:47 Uhr |
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Liebe Brüder und Schwestern,
"mei, des Kind schaut aus wie ein Engerl!" - das ist ja ansich immer nett gemeint. Dass ein Kind süß ausschaut und niedlich und rührend vielleicht. Bei Ria Weiss kann man Plastikkärtchen kaufen mit Engerl drauf, da steht dabei, ich beschütze dich!
Die beiden Engel, die heute in der Geschichte mitgespielt haben, haben auch nett ausgesehen; aber wisst ihr noch, was die geflüstert haben?
Der eine hat der Maria geflüstert, dass sie schwanger wird und ein Baby kriegt, und nicht von ihrem Freund, sondern von Gott.
Und der andere hat dem Josef geflüstert, er soll seine Frau heiraten, obwohl sie ein Baby von einem anderen kriegt!
Huuu, solche Engel trifft man nicht alle Tage. oder doch?
Vielleicht im Traum? Vielleicht im Gewand, in der Gestalt eines anderen Menschen? Meistens unerkannt. Das macht nichts. Nicht der Engel ist wichtig - sondern seine Botschaft.
Kinder schreiben auch nur das ins Matheheft, was sie über die Mathematik gelernt haben - sie kleben kein Foto vom Mathelehrer dazu.
Manchmal sagt einem der Engel sozusagen die Wahrheit ins Gesicht. Manchmal legt er sie in den Weg.
Richtet aus, dass wir Gott in uns tragen. Nicht erschrecken!
Aber Gott Wohnung geben in mir drin - er wird wachsen - das Heilige zur Welt bringen...
Das sind große Worte für unser kleines Leben. "Das Heilige zur Welt bringen", Gott Wohnung geben - sind das unsere Lebensziele?
Was haben wir für Lebensziele? Was wollen wir mit unserem Leben?
Die griechischen und buddhistischen Weltbilder haben ja eher ein zyklisches Lebensverständnis. Alles kommt wieder... Die Christen glauben: Ein Leben hat einen festen Anfang und auch ein Ziel.
Sie kennen die Geschichte, wie Charlie Brown mit Pfeil und Bogen spielt? Er schiesst auf eine Wand und guckt, wo der Pfeil getroffen hat; da drum macht er einen Kreis und schreibt die 12 aufs Einschussloch. Hohe Punktzahlen bringt er auf diese Weise zustande - schließlich trifft jeder Schuss ins Schwarze!
Und manchmal machen wir es mit dem Leben, mit den Lebenszielen und der Frage nach den Prioritäten im Leben ähnlich.
Menschen leben, Menschen landen an irgendeinem Punkt - und um diesen Punkt machen sie dann einen Kreis und sagen, ha! Ich hab mein Ziel getroffen.
Ein Beispiel? Ein Mensch ackert und schuftet, ohne Rast und Ruhe jagt er durch die Tage, die Monate, die Jahre - und am Ende sagt er sich, ja mei, Arbeit war mein Leben! Ziel erreicht.
Oder ein anderer lässt sich nur die Sonne auf den Bauch scheinen und den lieben Gott einen guten Mann sein. Und am Ende sagt er, ja, ich habe mein Leben genossen - ich hab mein Ziel erreicht.
Und der dritte investiert alle Kraft in die Bildung, die Ausbildung - und sagt am Ende, Kultur und Wissenschaft sind für mich das wichtigste. Ich hab mein Ziel erreicht.
Dabei setzen wir uns das große Ziel des Lebens gar nicht selbst. Nicht wir entscheiden, wofür wir denn geschaffen sind.
Sondern der entscheidet, der uns auch erschaffen hat. Und der hat uns nur erschaffen für die Gemeinschaft mit ihm selbst. Das ist das Ziel für unser Leben, der ganze Sinn und Inhalt.
Es gibt natürlich Teilziele. Berufliche Aufgaben, Familie, Gemeinde und noch mehr - aber sie sollen nicht zur Hauptsache werden, und vor allem dürfen sie, die Teilziele, nicht in eine ander Richtung führen als das Hauptziel.
Vielleicht sträubt sich was in Ihrem Inneren, wenn ich sage: "Das große Hauptziel ist die Gemeinschaft mit Gott!"
In den Überlegungen von Maria und Josef kam das vorhin auch so selbstverständlich: "Gott ist doch die Hauptsache. Hauptsache, er kriegt seinen Willen!"
Das klingt so nach Resignation, demütiger Unterordnung unter einen Despoten, mit dem wir sowieso nicht fertig werden. So haben Maria und Josef vorhin gar nicht ausgesehen, als sie sich dann durchgerungen haben: Okay - wir machen das so, wie Gott das haben will. was haben sie gerufen? hurra, wir kriegen das Jesuskind!
Sie haben sich durchringen müssen, dass Gott seinen Willen kriegt, obwohl doch einiges dagegensprach - eigene Pläne, andere Vorstellungen, wie das Leben laufen soll - aber dann haben sie doch hurra geschrien!
Weil sie gespürt haben, dass sie die Sonne in ihr Leben gelassen haben. "Lass die Sonne in dein Herz! Schick die Sehnsucht himmelwärts...!", da gabs mal einen Schlager;
wenn wir unterscheiden, was will Gott mit meinem Leben? was will ich? und gibt es eine Schnittmenge? wer soll recht kriegen? wer soll sich durchsetzen?
- das sind ja keine Tarifverhandlungen mit einem knauserigen göttlichen Arbeitgeber, dem man prozentpunktweise Zugeständnisse abringen muss.
Nicht: "ich muss - zähneknirschend - Gott gehorchen!" - sondern mit diesen Engeln, mit dem Willen Gottes kam Gottes Reich selbst ins Leben dieser beiden.
Und im Grunde rannten die beiden Verkündigungsenglein wahrscheinlich offene Türen ein und ihre Aufträge fielen auf fruchtbaren Boden - weil sie sich wahrscheinlich früher schon, immer schon danach gesehnt haben, dass in ihrem Leben mehr, möglichst viel von dem geschieht, was Gott sich für sie ausgedacht hat.
Weil sie ihm zutrauen, dass er ein gutes Ziel mit ihnen ansteuert. Auch wenn man sichs auf den ersten Blick als Mensch wahrscheinlich gar nicht so recht vorstellen kann.
Im Kalender "Der andere Advent" stellt sich ein Engel selber vor. Er sagt: "Ich bringe das Andere. Jedes Mal, wenn ich über die Schwelle gehe. Jedes Mal, wenn ich in einen Traum trete. Jedes Mal, wenn ich im Gewand eines anderen sichtbar werde.
Die Meisten erkennen mich nicht. Aber das macht nichts.
Nicht ich bin wichtig, sondern meine Botschaft. Ich flüstere sie in ihren Schlaf. Ich sage sie ihnen ins Gesicht. Ich lege sie in den Weg.
Geduldig bin ich und hartnäckig. Ich trete in ihr Leben. Ich warte auf Einlass in ihr Herz. Manchmal muss ich zwei Mal anklopfen, drei Mal. Ich stehe auf der Schwelle; meine Worte sind: Du trägst Gott in dir. Erschrick nicht. Gott wird wachsen in dir. Gib ihm Wohnung und bring das Heilige zur Welt."
Daran sollten Sie denken, jedes Mal, wenn Sie in den nächsten Wochen irgendwo ein Engerl sehen. gemalt, gedruckt, auf dem Geschenkpapier, in den Schaufenstern oder als Christbaumschmuck: nicht der Bote ist wichtig, nur die Botschaft:
"Du trägst Gott in dir. Erschrick nicht. Gott wird wachsen in dir. Gib ihm Wohnung und bring das Heilige zur Welt."
Und der Friede Gottes... |